Hallo zusammen,
da in der Community immer wieder mal über das Für und Wider von Pannensets diskutiert wird, möchte ich kurz meine persönliche Erfahrung mit euch teilen. Mein T-Cross Style (Modelljahr 2020) wurde ab Werk standardmäßig mit dem Reifenpannenset (als Tire Mobility System bezeichnet - TMS abgekürzt) ausgeliefert und besaß dementsprechend kein Bordwerkzeug oder einen Wagenheber. Da ich mich mit einem echten Ersatzrad auf längeren Fahrten einfach sicherer fühle, habe ich mich vor Kurzem dazu entschlossen, ein Notrad im Kofferraum nachzurüsten. Auch mir wurde anfangs vom VW-Händler gesagt, dass es ab Werk kein offizielles Notrad für den T-Cross gibt, was rein sachlich gesehen auch stimmt. Damit wollte ich mich aber nicht zufrieden geben. Nach einiger Recherche hier im Forum und im ETKA habe ich dann die passenden Komponenten selbst herausgesucht. Nette Verkäufer haben mir hierbei geholfen, den einen oder anderen Fallstrick zu umgehen. Denn eines sei hier erwähnt: Es war für mich als Laie absolut nicht ganz einfach, die wirklich passenden Komponenten auf Anhieb zu finden. Für alle, die dasselbe vorhaben oder mit dem Gedanken spielen, habe ich eine detaillierte Übersicht als PDF zusammengestellt und hier angehängt. Die genauen Original-Teilenummern habe ich dafür anhand des ETKA (Elektronischer Teilekatalog) ermittelt. Da ich das Ganze als Laie recherchiert und zusammengetragen habe, sind alle Angaben natürlich ohne Gewähr.
Parallelen zur technischen Basis helfen hier enorm: Da der VW T-Cross auf der MQB-A0-Plattform basiert, teilt er sich die technische Basis mit dem VW Polo (Typ AW / ab 2017). Das bedeutet für uns beim Teilekauf einen großen Vorteil: Viele Komponenten des Polo können auch für den T-Cross verwendet werden. Der Lochkreis von 5x100 und die Mittenzentrierung von 57,1 mm sind bei beiden Modellen identisch. Insbesondere Kleinteile wie der Wagenheber, der Radschraubenschlüssel, die zentrale Befestigungsschraube oder der Styropor-Werkzeugeinsatz lassen sich oft direkt vom "Schwestermodell Polo" übernehmen. Dennoch muss man bei der Felge und dem
Reifen* selbst penibel bleiben, da der T-Cross als SUV größere Standardräder besitzt und somit das Notrad trotz gleicher Polo-Felge eine höhere Reifenflanke (einen größeren Abrollumfang) benötigt als der flachere Polo, um den Tacho und das ABS nicht zu verfälschen.
Bei der Recherche nach den passenden Originalteilen hilft ein genauer Blick auf die Logik der VW-Teilenummern (z. B. 2G0 601 011 oder 2G7 803 899). Die ersten drei Zeichen stehen hierbei immer für den direkten Modellbezug (Entwicklungscode):
- 2G0 oder 2G7: Diese Kennungen stehen spezifisch für die aktuelle Plattformgeneration des VW Polo und Taigo. Da der T-Cross eng mit ihnen verwandt ist, tragen auch seine Plattformkomponenten sehr häufig diese 2G-Anfangskennung. Teile mit dieser Nummer passen in der Regel mechanisch perfekt.
- 2GM: Dies ist der exklusive Modellcode für den VW T-Cross selbst. Reine T-Cross Komponenten (wie die exakt zugeschnittene Kofferraum-Styroporbox oder spezielle Ladeboden-Halterungen) fangen fast immer mit 2GM an.
- 5G0 / 3G0 / 5NA: Diese Codes stehen für ganz andere Fahrzeugklassen (z. B. 5G0 für den Golf* 7, 3G0 für den Passat B8, 5NA für den Tiguan). Achten Sie unbedingt darauf, dass Sie keine Felgen* oder tragenden Teile mit diesen Kennungen kaufen! Ein Notrad mit der Kennung 5G0 (Golf 7) hat beispielsweise einen Lochkreis von 5x112 – dieses Rad lässt sich physisch niemals an die 5x100-Radnabe Ihres T-Cross schrauben. Der Modellbezug der ersten drei Ziffern schützt Sie also direkt vor teuren Fehlkäufen. Eine zusätzliche Überprüfung aller Komponenten anhand der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) stellt sicher, dass alle Teilenummern und Sicherheitsgurte exakt zum Fahrzeugtyp passen.
Ein wichtiger Hinweis zur Beschaffung des Rades selbst: Ich habe mich ganz bewusst gegen ein fertiges, komplettes Notrad entschieden. Da die meisten im Internet angebotenen
Kompletträder* mit Reifen von Herstellern wie Ling Long bestückt sind, was ich für mich nicht wollte, habe ich mir die Teile einzeln besorgt. Mir ist zwar bewusst, dass Noträder zum Beispiel bei Teileverwertern inklusive Gummireifen oft günstiger zu haben sind. Allerdings war mir dort das Risiko einer unentdeckt beschädigten Felge schlichtweg zu groß. Ferner waren mir die auf diesen gebrauchten Rädern aufgezogenen Reifen mancherorts viel zu alt – teilweise mit einer DOT aus 2014 oder 2020. Die DOT-Nummer auf einem Reifen ist das gesetzlich vorgeschriebene Herstellungsdatum; diese Kennzeichnung befindet sich auf der Reifenflanke und besteht aus vier Ziffern. Zudem stellte sich mir beim Kauf von Kompletträdern – unabhängig vom Anbieter – eine weitere entscheidende Frage: Da man nie genau weiß, wie diese Räder über die Jahre gelagert wurden, bleibt völlig unklar, ob sie qualitativ überhaupt noch einwandfrei und sicher sind, wenn sie bereits ein so hohes Alter erreicht haben. Aus diesen Gründen habe ich eine neue originale VW-Stahlfelge gekauft und diese separat mit einem qualitativen Continental sContact Notrad-Reifen (Größe 125/70R18 99 M) beziehen lassen. So konnte ich sichergehen, eine absolut einwandfreie Felge (127,50€) und gleichzeitig einen hochwertigen, frischen Markenreifen (75,- €) zu bekommen. Für die Auswahl des passenden Rades selbst ist der Abrollumfang der kritischste Faktor. Der Außendurchmesser des Notrades muss exakt dem der regulären Sommer- oder Winterbereifung des T-Cross entsprechen. Abweichungen führen zu Fehlmeldungen der ABS- und ESP-Systeme, da ungleiche Raddrehzahlgeschwindigkeiten die Sensoren irritieren. Zudem bestimmt die verbaute Bremsanlage die Mindestgröße der Felge. Größere Bremsanlagen erfordern Noträder mit entsprechend größerem Zoll-Durchmesser (in meinem Fall 18 Zoll), da zu kleine Felgen physisch an den Bremssätteln blockieren. Diese Anforderungen lassen sich über die fahrzeugspezifischen Ausstattungscodes (PR-Nummern) im
Serviceheft* präzise bestimmen. Das Notrad ist primär für die Fahrt zur nächsten Autowerkstatt gedacht, wobei eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h eingehalten werden muss. Bei der Nachrüstung eines Notrades beim VW T-Cross sind neben den technischen Spezifikationen der Felge auch spezifische Sicherheits- und Befestigungskomponenten zu beachten. Neben der zentralen Sicherungsschraube im Kofferraumboden ist beim T-Cross ein zusätzlicher Haltegurt (auch als Spannband bezeichnet) aus meiner Sicht auch erforderlich. Schließlich erfordert eine fachgerechte Nachrüstung die Anpassung des Zubehörs in der Kofferraummulde des T-Cross. Das vorhandene Styroporelement des Reifenpannenset muss gegen einen speziellen Werkzeugeinsatz ausgetauscht werden, der formschlüssig in die Mulde des Notrades passt und Wagenheber sowie Radschraubenschlüssel klapperfrei aufnimmt. Das Gute vorweg: Wenn das Fahrzeug mit dem Dichtmittel-Set bestückt ist, muss man nicht alles neu kaufen. Einige Kleinteile sind bereits vorhanden und können direkt übernommen werden.
Bereits im Fahrzeug vorhanden (kann übernommen werden):
- Reserverad-Befestigung (Teilenummer: 2G0 803 899A)
- Abziehhaken / Drahtbügel für die Radschraubenkappen (Teilenummer: 6X0 012 243)
- Abschleppöse (Teilenummer: 6K0 803 615 C)
Neu zu beschaffen für die Umrüstung:
- Notrad-Stahlfelge (Teilenummer: 2Q0 601 027 AR) sowie das passende Gummiventil (Teilenummer: 839601361)
- Wagenheber (Teilenummer: 2G0 011 031 C) inklusive der zugehörigen Handkurbel (Teilenummer: 5Q0 011 221)
- Radschlüssel mit Schlüsselweite SW17 (Teilenummer: 4D0 012 219 A)
- Werkzeugeinsatz / Styroporbox zur sauberen Aufnahme der Werkzeuge in der Felgenmulde (Teilenummer: 2G0 012 115 AC)
- Sicherungsgurt / Spannband (Teilenummer: 6H0 867 749) und eine passende Reifenschutzhülle (Teilenummer: 000 073 900 E)
Für mein Fahrzeug verwende ich aktuell eine originale VW-Stahlfelge in der Größe 3½J x 18H2 ET38. Nach gründlicher Recherche habe ich mich dabei für den Continental sContact in der Größe 125/70R18 99M entschieden. Hier sind die Gründe, warum Felge und Reifen
zusammenpassen:
- Felgenmaulweite (3½J): Die Reifenbreite von 125 mm ist optimal für diese schmale Notrad-Felge mit einer Maulweite von 3,5 Zoll ausgelegt. Der Reifen sitzt dadurch absolut stabil auf dem Felgenbett.
- Felge hat exakt 18 Zoll. Das ist natürlich eine zwingende technische Voraussetzung.
- Tragfähigkeit (99): Der Lastindex 99 steht für eine maximale Tragfähigkeit von 775 kg pro Reifen. Das ist für die allermeisten Volkswagen-Modelle – inklusive schwererer SUVs wie dem VW Tiguan oder Elektrofahrzeugen wie dem ID.4, bei denen diese Notrad-Größe ab Werk vorgesehen ist – mehr als ausreichend.
- Geschwindigkeitsindex (M): Der Index M erlaubt rein technisch eine maximale Geschwindigkeit von 130 km/h. Wichtig für den Alltag: Da es sich um ein schmäleres Notrad handelt, gilt in Deutschland und vielen anderen Ländern gesetzlich dennoch eine strikte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h für den temporären Einsatz.
- Markenqualität: Der Continental sContact ist ein bewährter Premium-Notradreifen
Da das Notrad mit einem hohen Druck von 4 Bar aufgepumpt werden muss, ist die regelmäßige Kontrolle umständlich. Um das Rad nicht jedes Mal mühsam aus der Kofferraummulde wuchten zu müssen, empfiehlt sich die Montage einer ca. 50 cm langen Ventilverlängerung. So lässt sich der Luftdruck jederzeit bequem von oben überprüfen. Die genauen Teilenummern und den jeweiligen Status habe ich euch übersichtlich in einer Tabelle zusammengestellt. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen bei der Teilesuche beim VW-Partner oder im Netz. Sollte in meiner Zusammenstellung etwas unvollständig oder nicht ganz stimmig sein, freue ich mich natürlich über eure entsprechenden Rückmeldungen und Korrekturen! Viele Grüße und allzeit gute Fahrt!